Möglichkeiten unabhängiger Energieanbieter nach der EnWG-Novelle
Seit dem 13. Juli diesen Jahres hat der deutsche Energiemarkt eine neue Verfassung. Mit der Einführung des neuen Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) scheinen die Signale doch noch in Richtung Wettbewerb gestellt worden zu sein. Geändert hat sich viel, vor allem auch der Umfang des Gesetzes. Statt wie bisher 19 Paragraphen, sollen nunmehr 118 Paragraphen sicherstellen, dass der Energiemarkt in Deutschland weiter entwickelt wird.
Die „unabhängigen“ Energieanbieter, also die, die im liberalisierten Energiemarkt entstanden sind und nicht von den Konzernen oder Netzbetreibern abhängig sind, sollten von dem neuen Gesetz profitieren. Ebenso wie alle Endkunden. Bei genauerer Betrachtung kann aber schnell festgestellt werden, dass es nur noch eine geringe Zahl von sogenannten unabhängigen Energieunternehmen gibt. Darunter an vorgerückter Position die Ensys AG. Schließlich haben die Taktiken und Versäumnisse der letzten Jahre nicht mehr viel übrig gelassen vom freien Wettbewerb auf den Energiemärkten.
Fraglich also, wem das neue Gesetz dienen soll. Vordringlich wären hier ja die Endkunden zu nennen – vom einzelnen Privathaushalt bis hin zum großen Industriestandort. Doch dann müssten die Wirkungen des Gesetzes sehr schnell einsetzen, damit der Wettbewerb auch beim Kunden ankommt. De facto wurden aber zentrale Regelungen des Gesetzes zum Gegenstand von nachfolgenden Rechtsverordnungen gemacht. Diese werden aber frühestens in 2006 in Kraft treten und möglicherweise erst in 2007 vollständig wirksam werden.
Aus Sicht der Energiekunden und des Wettbewerbs, könnte das neue Gesetz erst dann greifen, wenn es zu spät ist. Wieder einmal. Denn schon längst ist der deutsche Energiemarkt und die derzeitige Situation ein zentraler Faktor der Industrie- und Standortpolitik geworden. In Zeiten, in denen Deutschland die mit Abstand höchsten Energie- und Netzkosten im europäischen Vergleich hat, gilt umso dringlicher der politische Auftrag, die Energieversorgung wettbewerbsfähig zu gestalten. Erste Produzenten haben aufgrund zu hoher Energiekosten ihren deutschen Standort bereits aufgegeben, wie jüngst der Fall der Finkenwerder Aluminiumwerke zeigt. Und dies scheint nur die Spitze des Eisbergs zu kennzeichnen.
Und die Politik, die für die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen verantwortlich zeichnet? Keine Reaktion, noch nicht einmal eine Kenntnisnahme der Situation. Stattdessen stehen in allen politischen Lagern unausgegorene Vorstellungen der energiepolitischen Zukunft ganz oben in den Programmen.
Politische Mühlen mahlen langsam. Selbst der umfassende Regulierungsauftrag an die Bundesnetzagentur, die per Genehmigung und Aufsicht zu sinkenden Netzentgelten beitragen soll, wird voraussichtlich nicht zu einem kurzfristigen Erfolg führen. Dazu sind die neuen Wächter des freien Wettbewerbs mit zu vielen Verwaltungsaufgaben beschäftigt. Bestes Beispiel ist hier die Gestaltung eines Verfahrens der Anreizregulierung. Sicherlich ein Weg in die richtige Richtung, allerdings ein langer. Und zwischenzeitlich fehlen die Signale, die eine Senkung der Netzkosten heute und in Kürze verbindlich machen. Es wäre zu wünschen, dass die Bundesnetzagentur hier Flagge zeigt und ihre Möglichkeiten konsequent und zeitnah ausschöpft.
Das neue EnWG - ein Flop? Keineswegs. Allerdings das Gesetz alleine reicht nicht aus, um den Wettbewerb auf den Energiemärkten in Gang zu bringen. Ein erhebliches Maß an Initiative wird gerade von den Kunden gefordert werden. Wettbewerb bei Strom- und Erdgaslieferungen ist nicht nur ein „Bring“-Privileg für die Kunden, sondern auch eine „Hol“-Pflicht. Und hier unterscheidet sich der Energiemarkt noch nicht einmal von anderen komplex organisierten Märkten.
Der Finanzchef eines Unternehmens würde niemals auf die Idee kommen, seine Anlagepolitik so zu gestalten, dass er die gewünschten Aktien direkt bei dem Emittenten kauft. Er würde zu einer Bank seiner Wahl gehen, die die Aktien dann an der Börse oder über den OTC-Markt beschafft. Denn sie garantiert eine unabhängige Beratung und verspricht kundenorientierte Leistungen.
Und auch hier würde er nicht zum nächst gelegenen örtlichen Institut gehen, sondern vielleicht zu einem Anbieter, dessen Sitz fernab in einer anderen Stadt ist. Und vor der Auswahl seines Finanzpartners würde er sehr genaue Informationen einholen und die Bonität, Leistungsbreite, Unabhängigkeit und Kundennähe bewerten. Und seine Entscheidung würde er nicht ausschließlich nach dem Preis der Aktie richten. Zudem scheinen auch gerade bei Bankinstituten das Image, die Sympathiewirkung und Verlässlichkeit eine große Rolle zu spielen. Zumindest, wenn man der Werbung Glauben schenken darf.
All dies scheint für den Energiemarkt kaum oder wenig zu gelten. Dabei ist das Beschaffungsgut „Energieversorgung“ mehr als die bloße Strom- oder Gaslieferung. Gerade in Zeiten unruhiger Energiepreise sowie nach wie vor unregulierter Märkte entscheidet die richtige „Anlagestrategie“ über die künftigen Energiekosten.
Und hier bieten gerade die unabhängigen Energieunternehmen ideale Voraussetzungen. Denn sie sind in doppelter Form unabhängig. Einmal, weil keine wirtschaftliche Verflechtung die Strategie der Unabhängigen beeinflussen kann. Und zum anderen, weil sie eine objektive Stellung gegenüber den Hauptkostentreibern einer Energiebeschaffung – den Netzkosten und den Energiekosten – haben.
Unabhängige Unternehmen sind in derselben Situation wie ihre Kunden. Sie müssen die zu liefernde Energie beschaffen – an den Börsen, auf dem OTC-Markt oder direkt bei einem Produzenten. Gleichzeitig müssen sie auch die Netzkapazitäten „beschaffen“, um die Energie zu ihren Kunden zu transportieren. Aber sie haben ihren Endkunden und natürlich anderen Anbietern vieles voraus.
Erstens – Sie disponieren ein wesentlich größeres Nachfragevolumen als ihre Kunden. Und dies für mehrere tausende Abnahmestellen im gesamten Bundesgebiet. Das damit einhergehende Knowhow bietet Effizienzvorteile, die ein Einzelner alleine nicht erreichen kann. Und selten ist dies bei den traditionellen Anbietern, wie zum Beispiel den Stadtwerken, gegeben. Zudem bietet ein großes Nachfrageportfolio erhebliche Synergieeffekte, von denen alle Kunden dieses Portfolios profitieren.
Zweitens – Sie sind Spezialisten. Das Kerngeschäftsfeld eines unabhängigen Energieversorgers ist eben die Lieferung von Strom bzw. Erdgas an Endkunden. Tagtäglich. Damit einher geht natürlich ein erheblicher Informationsvorsprung, der bei professioneller Anwendung auch zu wirtschaftlichen Vorteilen führt.
Auch im Vergleich zu den traditionellen Anbietern, bis hin zu den Großkonzernen, ergeben sich Wettbewerbsvorteile. Denn diese Anbieter betreiben i.d.R. auch Netze oder Kraftwerke. Das heißt aber nichts anderes, als dass der Spezialisierungsgrad geringer ist. Das Kerngeschäftsfeld eines Netzbetreibers ist ja offensichtlich nicht die Versorgung der Kunden.
Die Wirkungen sind ebenso offensichtlich wie spürbar. Denn gerade die nach wie vor marktbeherrschende Stellung der ehemaligen Monopolbetriebe hat in den vergangenen Jahren zu ständig steigenden Netz- und Energiekosten geführt und die Gewinne der traditionellen Unternehmen außergewöhnlich stark ansteigen lassen. Die Kosten der Endkunden jedoch haben sich ständig erhöht. Kundenorientierung? Wohl eher nicht.
Drittens – neue Anbieter sind flexibel. Im Unterschied zu den traditionellen Anbietern, die ihre Energie meist im Rahmen starrer Abnahmeverhältnisse direkt oder indirekt beim vorgelagerten Großkonzern beschaffen, sind neue Anbieter darauf angewiesen, ständig neue Beschaffungsquellen zu entdecken und die Marktchancen effizient zu nutzen. Davon profitieren auch die Kunden.
Viertens – unabhängige Anbieter sind nahe beim Kunden. Gerade im Bereich der Netzkosten steht ein unabhängiger Anbieter auf Seiten des Kunden. Beide gemeinsam haben Interesse an möglichst geringen Netzkosten. Dies unterscheidet unabhängige Anbieter von den anderen traditionellen Anbietern, den Netzbetreibern. Die Vielzahl der Gerichtsverfahren und Eingaben an das Kartellamt, die fast ausschließlich von unabhängigen Anbietern in den letzten Jahren mit dem Ziel sinkender Netzkosten durchgeführt wurden, sind Beispiel für diese kundenorientierte Einstellung.
Es ist müßig, zu fragen, ob ein Netzbetreiber sich mit einem anderen Netzbetreiber oder gar mit einem Großkonzern, der zugleich Vorlieferant des Netzbetreibers ist, im Sinne des Kunden auseinandersetzen würde.
Fünftens – unabhängige Anbieter bieten eine breiteres Leistungsprogramm. Alleine die Notwendigkeit eines unabhängigen Anbieters, Netzanschluss und -nutzung des Kunden zu prüfen und zu optimieren, führt zu einer Vielzahl von „versteckten“ Zusatzleistungen, deren Kostensenkungs-Potenziale von den Kunden meist unterschätzt werden.
So hat die Ensys AG bereits vielzähligen Kunden über die kritische Prüfung der Netzverhältnisse zu verbesserten Netzkosten verholfen. Diese Potentiale können allerdings erst während einer Lieferung gehoben werden. Daher wird meist der Dienstleistungsanteil bei der Einholung von Angeboten oder der Bewertung einer Ausschreibung deutlich unterschätzt.
Amerikanische Kunden, so die Erfahrung, bewerten daher ihren Energielieferanten oftmals nach dem sogenannten „Cost- and Service-Differential“. Dies besagt nichts anderes, als dass die Auswahl eines Energieversorgers nicht nur aufgrund des angebotenen Preises erfolgt, sondern auch aufgrund seines Beitrags zur Verbesserung der Kosten für die Netznutzung und für die Administration der Energiebeschaffung. Gerade letzteres ist besonders den Kunden bekannt, die viele Abnahmestellen im Bundesgebiet ausschreiben und die Vorteile einer netzübergreifenden, unabhängigen Energieversorgung kennen gelernt haben.
Der Servicegrad endet dabei nicht bei den Netzen und den Systemdienstleistungen. Gerade im Bereich der Energiebeschaffung bieten sich viele Ansätze. Und hier sind ebenfalls die unabhängigen Anbieter vorne.
Der Einkauf von Strom erfolgt heute immer weniger direkt beim Netzbetreiber vor Ort. Dies zeigen die anziehenden Quoten der Industrieunternehmen, die ihren Stromlieferanten wechseln. Die Beschaffung an den Strombörsen, in Deutschland die EEX in Leipzig, sowie über den internationalen OTC-Markt gewinnen zunehmend an Bedeutung. Der Gründe für einen gewandelten, modernen Stromeinkauf sind einleuchtend:
breitere Preisinformation sowie die Gesetzmäßigkeiten des Marktes ermöglichen eine verbesserte Einschätzung der richtigen Einkaufspreis-Basis.
Die Verfügbarkeit standardisierter Produkte – Stunden-, Tages-, Wochen-, Quartals- oder Jahresprodukte getrennt nach Grundlast oder Spitzenlast – ermöglicht eine exaktere Planung des Strombedarfs.
Der Kunde kann seinen Fokus auf die Absicherung der Einkaufspreise richten. Und nicht nur für das nächste Lieferjahr, sondern prinzipiell für mehrere Jahre.
Insgesamt bieten die neuen Marktplätze und Beschaffungskanäle den Kunden erheblich mehr Handlungsspielraum, um die Preisrisiken der Energiebeschaffung über einen langfristigen Planungshorizont zu bewerten und geeignete Maßnahmen zur Vermeidung dieser Risiken zu planen.
Hier besteht ein deutlicher Unterschied zum bisher üblichen Vollstrom-Beschaffungsmodell der Ausschreibung für ein oder maximal zwei Lieferjahre. Denn dies, so die Erfahrung, hat den Kunden bisher stabile und kalkulierbare Preise nur jeweils für die Lieferperiode gewährt, nicht aber für die Perioden danach. Insgesamt jedoch sind die Preise seit dem Jahr 2000 konstant gestiegen.
In einem modernen preisorientierten Energieeinkauf wird der Energieversorger ebenso zu einem Berater und Partner des Kunden. Diese neue Rolle setzt wiederum voraus, dass das Energieversorgungsunternehmen eine Position zum Markt einnimmt, die sich nahezu vollständig mit den Erwartungen des Kunden deckt. Er muss also frei sein von direkten oder indirekten, intransparenten Interessen in den für den Kunden wichtigen Kostenpositionen.
Dies heißt aber nichts anderes., als das eine Unabhängigkeit von Netz und Energieerzeugung auch hier zentrale und unerlässliche Voraussetzungen sind, um die neue Rolle des Partners in der Energieversorgung der Kunden optimal auszufüllen. Auch hier haben unabhängige Energieunternehmen die Nase eindeutig vorn.
Fazit
Die Energiemärkte in Deutschland und Europa stehen in einem unfassenden Veränderungsprozess. Der zunehmende Wettbewerb findet dabei nicht nur um die Preise statt, sondern auch um Dienstleistungen und nicht zuletzt die Rollen der Energieunternehmen in ihrer Stellung im Markt und zu den Kunden.
Für Endkunden und hier gerade für die großen und größeren Industrieunternehmen besteht damit umso mehr die Chance und zugleich Aufgabe, die Wettbewerbsmöglichkeiten zu analysieren und bestmöglich zu nutzen. Dabei bieten unabhängige Energieversorgungsunternehmen wie die Ensys AG optimale Voraussetzungen, um im Rahmen einer Beschaffungspartnerschaft optimale Strategien gemeinsam zu entwickeln und im Tagesgeschäft zuverlässig umzusetzen.
Checkliste: Neue Fragen der Energiebeschaffung
für Industrieunternehmen und Unternehmen mit mehreren Standorten