Gemeinsam billigeren Strom einkaufen
Die Energiepreise steigen weiter. Die Stromeinkaufsgemeinschaften des Handwerks setzen große Hoffnung in die Neufassung des Energiewirtschaftsgesetz. Auf Dauer sollen durch die Regulierung die Kosten für Strom, aber auf für Gas wieder sinken.
Als Unternehmer hat man zu wenig Zeit, sich selbst nach dem billigsten Strom umzusehen“, sagt Werkzeugmachermeister Michael Kreidler. Doch der Geschäftsführer der Kreidler GmbH im baden-württembergischen Eutingen, die sich auf Innenschleiftechnik spezialisiert hat, hat es dennoch in Angriff genommen, sich nach dem günstigsten Energielieferanten umzusehen. Besser gesagt: Er hat umsehen lassen. Möglich gemacht hat das die Energie-Einkaufsgemeinschaft des Handwerks Baden-Württemberg, die mit der Ampere AG in Berlin zusammenarbeitet. Ampere ist ein „Energie-Broker“, der Großkunden oder Energieeinkaufs-gemeinschaften betreut, um mit dem möglichst günstigsten Energiekonzern Verträge mit einer Laufzeit von ein bis zwei Jahren auszuhandeln und dabei 20 Prozent des realisierten Gewinns verdient. Im Falle Kreidlers, dessen Betrieb für Innenschleiftechnik 45 Mitarbeitern hat, kam bei fast 835 000 Kilowattstunden im Jahr 2003 eine Ersparnis von etwa 20 000 Euro heraus. Die 4000 Euro, die Ampere von ihm bekommt, zahlt er gerne: “Ich bin auf jeden Fall zufrieden, Ampere erledigt alles und Fragen werden prompt beantwortet. Auch die Anmeldung über das Handwerk Baden –Württemberg fand er problemlos.“
Energieeinkaufsgemeinschaften im Handwerk auf Innungs- oder Kammerebene gibt es inzwischen zahlreiche, zum Beispiel betreut allein der Broker Ampere außer dem Baden-Württembergischen Handwerkstag (BWHT) noch die Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern in Rostock, die Kreishandwerkerschaft Rhein-Berg/Leverkusen in Bergisch Gladbach und die Vestische Handwerker Service GmbH in Recklinghausen.
Billigeres Gas
„Wir haben jede Woche 20 bis 30 neue Handwerksunternehmen, die unserer Energieeinkaufsgemeinschaft beitreten“, freut sich Richter. „Die Regulierungsbehörde wird nach einer gewissen Anlaufszeit nach Inkfrafttreten des Gesetzes dafür sorgen, dass die Ersparnis für den einzelnen Handwerker wieder steigen wird“. Dann wird auch Gas für Energieeinkaufsgemeinschaften billiger zu haben sein. Neben den fast 10 000 Stromkunden sind schon 2000 Gaskunden in der Energieeinkaufsgemeinschaft. Auch hier arbeitet der BWHT mit Ampere zusammen. Ampere –Chef Arndt Rottenbacher: „ Wir mussten in den letzten Jahren seit der Liberalisierung ein gewisses Einschlafen des Wettbewerbs von Energieanbietern feststellen.“ Doch in letzter Zeit sei wieder ein deutliches Interesse von verschiedensten Anbietern festzustellen.
Auch Rottenbacher glaubt, dass das Energiewirtschaftsgesetz zu Einsparungen für den einzelnen Kunden führen kann. Sollte bei Gas für Baden-Württembergs Handwerker ein guter Preis gelingen, will auch Michael Kreidler wieder dabei sein.
Natürlich reicht es nicht aus, einen günstigen Stromanbieter zu finden, wenn man effektiv seine Energiekosten senken will. Wenn aber nur einmal im Jahr die Zähler abgelesen werden und dann eine Jahresrechnung vom Energielieferanten kommt, fällt es schwer, den Verbrauch zu optimieren und anfallende Lastspitzen zu vermeiden. Besser sei da eine monatliche Zählerablesung, rät Alfred Steiof, Vorstandsvorsitzender der Ensys AG, eines unabhängigen Energieversorgers ohne eigenes Netz. Dann könne man den Stromverbrauch besser analysieren und Sparmaßnahmen einleiten. Beim Wechsel zu einem anderen Stromlieferanten sollte es nicht allein um den billigeren Kilowattstundenpreis gehen, vielmehr sollte es „ein Energiemanager sein, der sich zuverlässig rund um die Energieversorgung kümmert“, rät Alfred Steiof.
Angst vor Ausfall
Noch immer ist die Wechselbereitschaft bei Strom in Deutschland eher niedrig. Bei vielen Kunden überwiegt die Sorge, plötzlich ohne Strom dazustehen, wenn beispielsweise der Versorger Pleite geht. Was völlig unbegründet sei, so Steiof, denn auch bei einem Ausfall des Versorgers würde der Strom weiterfließen. Auf dem deutschen Strommarkt sind Verbraucher gesetzlich geschützt, denn es gibt eine Versorgungspflicht von Seiten der Energiedienstleister.
Energiewirtschaftsgesetz
Regulierung auch für Gas
Das zweite Gesetz zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrecht (Energiewirtschaft-Gesetz) soll einen funktionierenden Wettbewerb auf dem Strom- und Gasmarkt gewährleisten. Auch soll die hohe Anzahl bürokratischer Regeln, die insbesondere kleine und mittlere Unternehmen stark belasten, reduziert werden. Einer Überarbeitung bedarf das Gesetz nach Meinung des Bundesrates jedoch insbesondere in folgenden Themenbereichen:
Ensys AG
Wichtig beim Wechsel
Alfred Steiof, Vorstandsvorsitzender der Ensys AG, will mit einfachen Tarifstrukturen Gewerbekunden gewinnen.
Wer wie der Fleischerbetrieb Ernst Dehning GmbH in Schneverdingen jährlich knapp über eine Million Kilowattstunden Strom verbraucht, tut gut daran, Energie möglichst preiswert einzukaufen. Der Betrieb, mit 20 Filialen in Norddeutschland und insgesamt über 200 Mitarbeitern ein Großer im Fleischerhandwerk, beauftragte deshalb das BFE Institut für Energie und Umwelt (Hamburg), den Energieeinkauf zu optimieren.
Heraus kam ein Mix von unterschiedlichen Stromlieferanten für das Stammgeschäft und die Filialen. „Die neuen Verträge brachten uns Einsparungen von zehn bis 15 Prozent“ hat Carmen Huster, bei Dehning für das Controlling zuständig, nachgerechnet. Zu den neuen Stromlieferanten des Fleischereibetriebes zählt auch die Ensys AG (Frankfurt), eines der größten unabhängigen Energieversorgungs-unternehmen mit Schwerpunkt Gewerbekunden. Ensys-Vorstandvorsitzender Alfred Steiof gibt hier Tipps, was Handwerker beachten müssen, wenn sie einen preiswerten Stromlieferanten suchen:
Preise vergleichen: Tarifübersichten finden sich im Internet, am besten mehrere ansehen
www.verivox.de, www.stromtip.de, www.stromseite.de
www.strominformation.de, www.stromauskunft.de
Partner finden: Vertrauen und Verlässlichkeit ist entscheidend. Betreiber ohne eigenes Netz wie Ensys sind natrülich bestrebt, die Neztkosten zu senken. Der Stromlieferant muss bestrebt sein, die Energiekosten des Kunden zu optimieren. Die Tarifstruktur muss einfach und für den Kunden nachvollziehbar sein.
Wechsel durchführen: Es darf für den Kunden keinen Aufwand bedeuten, der Stromlieferant sollte die Fromalitäten erledigen.
Rahmenverträge abschließen: Es muss genau geprüft werden, ob es wirklich günstig ist. Häufig haben bei solchen Verträgen Kunden mit einem guten Verbrauchsprofil Vorteile, andere sind dagegen im Nachteil.