Energiemanagement – Mit Smart Metering den Stromverbrauch steuern
Unbestritten sind der Energiebedarf, der im Industrie- und Gewerbekundenbereich anfällt, und die entstehenden Energiekosten "heiße Eisen". Zahlreiche Marktakteure wie z. B. neue Energieanbieter unterstützen die Industrie- und Gewerbekunden dabei, ihren Stromverbrauch energie- und kosteneffizient zu managen – Stichwort "Energiemanagement". Tatsache ist jedoch: Noch immer kennen zahlreiche Unternehmen ihre Energieverbrauchsdaten nicht oder nur unzureichend. Ohne Energiedatenmanagement kann ein Energiemanagement aber nicht funktionieren.
Oftmals führt die Unkenntnis von Verbrauchsauffälligkeiten, die sich aus Rechnungen weder erkennen noch interpretieren lassen, zu inkorrekten oder zumindest verbesserungswürdigen Bedarfsermittlungen. Schon die mangelnde Kenntnis von Verbrauchsspitzen bedeutet, insbesondere wenn diese prognostizierbar und beeinflussbar sind, einen ineffizienten Energieeinsatz. Längst gibt es aber maßgeschneiderte Konzepte, die es den Kunden ermöglichen, ihre Stromkosten zu senken und zugleich ihre Energieeffizienz zu steigern. Zwar ist der Entwurf des Gesetzes zur Steigerung der Energieeffizienz in der vergangenen Legislaturperiode nicht verabschiedet worden. Jedoch ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis ein solches Gesetz in Deutschland in Kraft tritt.
Da das Energiemanagement auf einem vorhandenen Energiedatenmanagement aufbaut, ist es für Industrie- und Gewerbekunden zunächst erforderlich, sich über historische Daten und detaillierte Zahlen der einzelnen Abnahmestellen oder Filialen ein Bild zu machen. Die Zusammenstellung kann ein durch den Kunden bevollmächtigter Energiedienstleister übernehmen, der die fehlenden Daten beim jeweiligen Netzbetreiber oder Lieferanten einholt.
Wer den Energieverbrauch steuert, spart Strom
Zudem müssen alle Voraussetzungen geschaffen werden, um über ein Energiedatenmanagement zu verfügen. Der Weg dahin führt über sog. intelligente Zähler (Smart Meters). Zwar sind im Gegensatz zum Haushalts- und KMU-Bereich bei größeren Industriekunden bereits Lastgangszähler vorhanden, die eine ¼-stündliche Lastgangsmessung ermöglichen und einen Lastverlauf genau abbilden können. Jedoch erreichen auch diese Messverfahren noch nicht das mit der Einführung von Smart Metering letztlich verfolgte Ziel: Energiedatentransparenz und -steuerungsmöglichkeiten für den Kunden und damit ein umfängliches Energiedatenmanagement. Gegenwärtig fehlt es im Lastgangszählerbereich häufig noch an der Transparenz der vorhandenen Daten für den Kunden.
Allein über Datentransparenz können bereits hohe Einsparpotenziale beim Stromverbrauch realisiert werden. Gute Dienste leisten spezielle Webportale: Hier lassen sich die Daten, gegliedert nach Stamm-, Verbrauchsstellen- und Messdaten, übersichtlich aufbereiten. So können sich die Unternehmen ihre je nach Abnahmestelle spezifischen Stromverbrauchsdaten anzeigen lassen und diese selbst auswerten: in tatsächlich gemessenen Viertelstunden-Leistungswerten oder nach Tages-, Wochen- oder Monats-zeiträumen, in grafischer oder tabellarischer Form.
Datencontrolling ist insbesondere für Filialisten mit vielen Verbrauchsstellen heutzutage Pflicht. Denn in diesem Sektor ist Datentransparenz für die Realisierung oftmals hoher Einsparpotenziale beim Stromverbrauch unerlässlich. Aufbauend auf einer Echtzeit-Erfassung der Verbrauchsdaten sind Lastgang-Management-Systeme in der Lage, das Lastverhalten zu optimieren, ohne den Betriebsablauf zu stören. Insbesondere Filialisten mit mehreren Verbrauchsstellen sind an der Weiterentwicklung solcher Tools zu umfassenden Filialdatensystemen interessiert. Sie können bei Bedarf auch zu einem Facility Management tauglichen System ausgebaut werden – mit der Möglichkeit, nicht nur die Verbrauchskennzahlen des Unternehmens, sondern auch die gebäudespezifischen Daten abzubilden.
Lastspitzen vermeiden – Energiekosten senken
Die Daten geben vor allem Produktionsleitern und Technikern Aufschluss über einen möglichst effizienten Stromverbrauch im Betrieb. Darüber hinaus sensibilisieren sie für ein energieeffizientes Verhalten. Einkäufer profitieren von verlässlichen Verbrauchskennzahlen und erzielen damit bessere Ausschreibungsergebnisse. Den Verantwortlichen im Unternehmen werden die tatsächlichen Verbrauchsdaten buchstäblich vor Augen geführt. Damit wird ihnen ein effektives Controlling- und Steuerinstrument an die Hand gegeben.
Durch spezielle Webtools erhalten Unternehmen zum einen eine höhere Transparenz über ihre Stromverbrauchsdaten. Zum anderen lassen sich speziell "Ausreißer" – Lastspitzen zu wiederkehrenden Zeiten – schnell und einfach identifizieren und beseitigen und damit die Energiekosten auf Dauer deutlich senken. Auch die Steuerung des Maschinenparks bietet zahlreiche Optionen. Die Möglichkeiten, den Stromverbrauch zu managen, sind vielfältig: Hier gilt es, über verschiedene Standorte hinweg den Einsatz von Klimaanlagen, Kühlaggregaten, Beleuchtungstechnik oder sonstiger technischer Gebäudeausrüstung zu optimieren.
Für den Kunden bedeutet Smart Metering nicht nur höhere Datentransparenz, sondern er erlangt auch Kenntnis darüber, wann er wo wie viel Energie sparen kann. Im Zusammenspiel mit last- und zeitvariablen Preisen, die jeder Stromversorger ab 2011 anbieten muss, bekommt der Kunde somit einen Anreiz, Energiebedarf und Energiekosten selbst zu steuern.
Weitere Informationen:
Rudolf Laubinger
Geschäftsführer der Ensys Solutions GmbH
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