Mit Energiebewusstsein zu mehr Effizienz
Energieeffizienz ist der "Produktionsfaktor" der Zukunft. Durch geschicktes Energiemanagement werden erfolgreiche Unternehmen künftig ihre Energiekosten in den Griff bekommen und die benötigte Energie effizient einsetzen – angesichts stark steigender Energiekosten ein zunehmend strategischer Wettbewerbsfaktor.
Von Alfred Steiof *
Der rationelle Umgang mit dem Produktionsfaktor Energie ist längst kein Neuland mehr. Mittlerweile ist die langfristig angelegte Zusammenarbeit mit einem Energieversorgungspartner an die Stelle des jährlichen Vergleichs von Angeboten verschiedener Energieanbieter getreten. Somit lassen sich große Potenziale erschließen.
Welche Anforderungen sind an diesen Partner zu stellen? Erstes und wichtigstes Kriterium: Unabhängigkeit – nicht nur von einem der Energiekonzerne. Gemeint ist vielmehr die Unabhängigkeit von den Hauptkostenbestandteilen auf der Energieabrechnung, dem Netz und der Energie.
Unabhängigkeit des Versorgers birgt Kostenvorteile
Netzkosten entstehen durch die Inanspruchnahme des öffentlichen Strom- und Gasversorgungsnetzes. Dabei gilt die Faustformel: Je ungleichmäßiger die Nutzung der vorhandenen Netzkapazität, desto teurer die Kosten der Netznutzung. Hieran kann ein Netzbetreiber gut verdienen. Also sollten Unternehmen nicht zwingend ihren Strom bei einem Energieunternehmen kaufen, das auch die Netze betreibt.
Vergleichbar die Situation bei der Energie. Hier könnte ein Erzeuger eher das Interesse haben, dass seine Kraftwerke zu möglichst hohen Strompreisen ausgelastet werden. Diese fallen immer dann an, wenn ein mittelständischer Abnehmer sogenannte Stromspitzen – "Ausreißer" zu wiederkehrenden, oftmals den teuersten Tageszeiten – hat. Folgerichtig hat ein Erzeuger durchaus ein anderes Interesse als der Kunde. Davon können in mittelständischen Unternehmen viele für den Energieeinkauf verantwortliche Manager ein Lied singen.
Es geht auch anders. Und zwar dann, wenn der Versorger unabhängig von Netz und Kraftwerkskapazität ist und den Strom auf dem Markt beschafft. Damit decken sich das Interesse des Kunden und dasjenige dieses Versorgers. Denn beide sind daran interessiert, die benötigten Kapazitäten möglichst preisgünstig einzudecken.
Lastspitzen identifizieren – Energiekosten senken
Optimal kann die Eindeckung nur dann geplant werden, wenn der Strom möglichst gleichmäßig, ohne besondere Lastspitzen, verbraucht wird. Dies bezeichnet eine höhere Energieeffizienz, da die vorhandenen Kapazitäten besser ausgenutzt werden und die Kosten sinken. Natürlich lassen sich messbare Ergebnisse meist nicht zu Beginn der Versorgung und in kurzen Zeiträumen, sondern nur über längere Zeitspanne hinweg erzielen.
Der Versorgungspartner muss in diesem Kontext eine weitere Voraussetzung erfüllen: Transparenz – in einer guten kaufmännischen Beziehung selbstverständlich, in der Energiewirtschaft dagegen nicht immer. Transparenz bezieht nicht nur auf die Abrechnung, sondern mehr und mehr auch auf die Verarbeitung von Messdaten. Mit der zunehmenden Liberalisierung des Messwesens entstehen neue Möglichkeiten, Energieeffizienz gezielt zu erreichen.
Durch eine neue digitale Messtechnik wird der Verbrauch bis zum einzelnen Aggregat gemessen und für den Kunden transparent und zeitnah aufbereitet, z. B. per Internet. Echtzeit-Anwendungen sind keine Zukunftsmusik mehr. Somit können unnötige Mehrverbräuche bzw. Lastspitzen zeitnah identifiziert werden, um die Energiekosten auf Dauer deutlich zu senken. Der Energieverbrauch entsteht nicht zufällig, sondern kontrolliert. Energieversorgung wird zum Regelkreis. Studien in anderen Ländern belegen, dass mit dieser neuen Technik Effizienzsteigerungen von ca. 20 Prozent möglich sind. Ein eindeutiger Wettbewerbsfaktor im Mittelstand.
* Alfred Steiof ist Vorstand der Ensys AG, Frankfurt/Main